Wie geht es weiter, Herr Pastor?

Der Kaplan geht – der Kaplan kommt

Personalwechsel in einem Team gehören zum Alltag jeder Firma. Auch die Pfarrei erlebt solch eine personelle Veränderung. Nach 6 Jahren verlässt Kaplan Joachim Gayko die Pfarrei und wechselt auf eine neue Stelle als Pfarrvikar nach Troisdorf. Als neuer Kaplan kommt Ulrich Eßer, der kürzlich im Kölner Dom zum Priester geweiht wurde. Er ist vielen Menschen der Gemeinde durch seine anderthalbjährige Tätigkeit in der Seelsorge bekannt.

 

Die Redaktion umbruch hat den leitenden Pfarrer Stephan Weißkopf über die Zukunft der Seelsorge in St. Pankratius Am Worringer Bruch interviewt.

 

umbruch: Kaplan Gayko hinterlässt eine Lücke. Was hat er Gutes bewirkt? Woran wird man sich erinnern?

Stephan Weißkopf: Ich bin Kaplan Gayko dankbar, dass er sich mit seinen Fähigkeiten in der Seelsorge für die Pfarrei eingesetzt hat. Besonders das Wahrnehmen von Menschen und das Zugehen auf Menschen in ihren seelsorglichen Situationen lag ihm sehr. Kaplan Gayko wünsche ich auf der neuen Stelle, dass er sich weiterentwickeln kann und dort mit gleichem Engagement seinen Dienst als Priester tun kann und Menschen findet, die ihn annehmen, so wie es bei uns in der Pfarrei gewesen ist.

Die Stelle von Kaplan Gayko wird nicht direkt wieder besetzt. Kaplan Eßer ist sein „Nachfolger“, denn Kaplan Eßer ist in einer Ausbildungssituation: Er war bei uns als Seminarist, ist dann zum Diakon geweiht worden, wurde jetzt zum Priester geweiht und wird das erste Ausbildungsjahr als Kaplan bei uns in der Pfarrei beginnen. Er wird einige Zeiten im Priesterseminar verbringen und den Spagat zwischen der Arbeit in der Pfarrei und der Ausbildung im Priesterseminar bewältigen müssen. Dennoch freue ich mich wieder einen Priester an meiner Seite zu haben. Er wird neben den anderen pastoralen Diensten gemeinsam in unserer Pfarrei Seelsorge betreiben und er wird seine Stärken einbringen.

 

umbruch: Wird Kaplan Eßer die Lücke, die Kaplan Gayko hinterlässt schließen können?

Stephan Weißkopf: Wichtig ist, dass es zwei verschiedene Menschen sind, deshalb wird Ulrich Eßer nicht eins zu eins ersetzen können, was Kaplan Gayko übernommen hat. Auf Grund seiner eingeschränkten Kaplans-Situation werden wir sehen müssen, wie wir uns arbeitsmäßig anders aufstellen. In Zukunft wird der Priestermangel stärker auf unsere Pfarrei durchschlagen.

 

umbruch: Sie sprachen soeben von „wir“. Wer entscheidet noch mit Ihnen, bzw. schaut mit Ihnen gemeinsam auf die Situation der Pfarrei?

Stephan Weißkopf: Wichtig ist, dass wir auf der einen Seite das Pastoralteam haben, angefangen vom Pastoralreferenten über den Diakon, über die Priester, die hier tätig sind. Auf der anderen Seite den Pfarrgemeinderat und den Kirchenvorstand. In diesem Dreieck wird die weitere Entwicklung der Pfarrei diskutiert werden. Dabei kommt dem Pfarrgemeinderat eine herausragende Aufgabe zu, eben in die Zukunft zu schauen und zu überlegen, wie Seelsorge der Zukunft aussehen kann. Ich glaube, dass das für unsere Pfarrei immer wichtiger wird. Wir schauen sehr auf pastorale, auf personale Ressourcen und merken, die gehen nicht mehr. Für mich aber ist die fast entscheidendere Frage: Wie kann es uns in der heutigen Zeit gelingen, den Glauben weiterzugeben. Das ist für mich die zentrale Herausforderung. Ich glaube, wenn wir an dieser zentralen Herausforderung arbeiten, wird alles andere in ein Pastoralkonzept integriert werden können.

 

umbruch: Haben Sie eine persönliche Vorstellung, wie Seelsorge und Pfarrei in der Zukunft aussehen könnten?

Stephan Weißkopf: Mit ist wichtig, dass wir, bei aller Schwierigkeit, die es gibt und auch bei allem Abschied nehmen und zurückfahren von Sachen, die wir in der Seelsorge feststellen, die auch manchmal Unmut bereiten, zuversichtlich und freudig in die Zukunft gehen. Eins ist klar: wir werden uns darüber unterhalten, wie man den Glauben am besten weitergeben kann und wie man Seelsorge in der heutigen Zeit betreiben kann. Aber wichtig ist: Seelsorge kann man nicht machen. Es ist kein Produkt, das man herstellen kann. Unser Bezug auf Gott hin muss gestärkt werden. Ich wünsche mir, dass wir eine Glaubensgemeinschaft werden, die sich um Christus sammelt und dass wir ein Sendungsbewusstsein haben Christus zu den Menschen in den verschiedensten Situationen zu tragen. Das ist mir wichtig.

 

umbruch: Gibt es ein Ereignis in der Seelsorge der letzten Zeit, dass sie in dieser Richtung besonders berührt hat?

Stephan Weißkopf: Ich freue mich in diesem Jahr besonders darüber, dass wir eine sehr hohe Zahl von katholischen Eheschließungen haben, anders als in den Jahren davor. Dass Menschen sich wieder trauen sich mit Gottes Hilfe aneinander zu binden und sich das Ja-Wort zu geben und dieses JA-Wort durch ihr Leben durch zutragen. Das andere, was mich ebenfalls sehr erfreut hat, war die geringe, aber ansteigende Quote derer, die wieder in die Kirche aufgenommen wurden. Natürlich muss man sagen, gerade auf Grund des Mißbrauchskandals in der katholischen Kirche sind die Austrittszahlen immens hoch. Aber wir sollten nicht vergessen, dass gerade im letzten Jahr viele Menschen wieder zur katholischen Kirche zurückgefunden haben und das ist immer eine Freude für mich. Zudem gibt es natürlich andere Punkte, wie Erstkommunion, oder die Arbeit im Katholischen Familienzentrum mit unseren Kindergärten, die mir auch sehr viel Freude macht. Dort wird auch schon ein Stück unserer Zukunft deutlich.

 

umbruch: Viele Menschen erleben Sie am Rande der Gottesdienste, auf den Pfarrfesten und in den Gremien als sehr stark und als sehr hoffnungsgebend und immer mit einem fröhlichen Lachen. Woher nehmen Sie ihre Kraft?

Stephan Weißkopf: Auf der einen Seite ist es das Wissen, dass ich von Christus getragen bin. Was mich innerlich bewegt, damit setze ich mich im Gebet auseinander, trage es vor Christus und das empfinde ich als Entlastung und als eine Bereicherung. Hoffnungsvoll, weil ich die Zukunft nicht so schwarz sehe, sondern weil ich die Zuversicht habe, dass wir als Christen in fünf, zehn, zwanzig und hundert Jahren dieser Gesellschaft etwas zu geben haben. Auch wenn sich unser Christsein in dieser Gesellschaft wandelt.

 

umbruch: Eine letzte Frage, die sicherlich viele interessiert ist, was wird in einem Jahr sein, wenn Kaplan Eßer im Vorbereitungsdienst uns verlässt, wenn Pfarrvikar Kuptz in seinen Ruhestand tritt? Können Sie dazu jetzt schon etwas sagen?

Stephan Weißkopf: Das Bestreben von vielen Menschen ist zuallererst darauf zu schauen, was alles nicht mehr geht. Das betrifft personale Ressourcen und finanzielle Ressourcen, aber ebenso wichtig ist es auf das zu schauen, was noch geht und was wir gemeinsam entwickeln können. Auf diese Frage kann ich nicht konkret antworten, wer kommt oder ob überhaupt jemand kommt. Sicher ist, dass wir an hauptamtlichem Personal nicht mehr werden. Die Herausforderung wird sein, einen gemeinsamen Weg zu finden das Christsein hier in unserer Pfarrei lebendig zu leben, d.h. auf Christus hin. Und zu den Menschen zu gehen, unabhängig davon welche anderen Herausforderungen wir auf diesem Weg sonst noch zu bewältigen haben.

 

umbruch: Herr Pastor und Dechant Stephan Weißkopf, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Das Gespräch führte Diakon Matthias Gill.

 


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